Die intensive Untersuchung des Südwesttores – des „Hinterausgangs“ der Zitadelle – brachte eine kleine bauhistorische Sensation zu Tage: Die Toranlage entstammt noch dem Bestand der Schweickhardtsburg, der Vorgängeranlage der Zitadelle. Es handelt sich damit um den ältesten überlieferten Teil der Festungsanlage!

Der Torkomplex wurde 1629, mitten während der Notzeiten des Dreißigjährigen Krieges, errichtet und ist ein wichtiges Zeugnis des kriegsbedingten Ausbaus der Stadtbefestigungen. Auf dem Schlussstein über dem inneren Tor war noch vor etwa einem Jahrhundert die datierende Inschrift lesbar. Heute stark verwittert, ist sie glücklich über historische Fotografien überliefert.

Das Südwesttor heute und damals

Bei dem Neubau der Zitadelle ab etwa 1655 wurde die Toranlage in die neuen Wallanlagen einbezogen, und grabenseitig mit einer repräsentativen neuen Fassade versehen. Die dem Altbestand einfach vorgeblendete Gliederung gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen ihrer Zeit in Deutschland.

Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Toranlage aufgegeben; das äußere Portal wurde vermauert und die Durchfahrt als Pulverlager genutzt. Die erneute Öffnung des Tores erfolgte in der Zeit der Bundesfestung, um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Geländeniveau im Graben vor dem Tor lag ursprünglich etwa vier Meter tiefer. Die heutige Topgraphie entstand sukzessive im 20. Jahrhundert: zunächst wurde ein Rampe quer durch den Graben angelegt, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zwischen den beiden Bastionsflanken mit Kriegsschutt aufgeschüttet.

Text von Dr. Christian Kayser, Büro Barthel u. Maus
Fotos: Stadtarchiv und Kay-Uwe Schreiber