Mauererneuerung – Eine Geschichte mit Zukunft

Die zentrale Aufgabe der Initiative Zitadelle Mainz e.V. (IZM) ist gemäß Satzung „die Sanierung der Festungsmauern, Gräben und Wälle, die Beseitigung von mauersprengendem Bewuchs und die Gestaltung der Grünanlagen, die den Blick auf die Stadt Mainz freigeben“. Aufgrund dieser Fülle von Aufgaben, die erhebliche finanzielle Mittel erfordern, kommt uns die sogenannte „Projektentwicklung“ zu. Nach vielen Gesprächen mit Fachbehörden, Politik und auch innerhalb des Vereins in den Jahren 2015/2016 gab die Stadt Mainz als Eigentümerin gutachterliche Stellungnahmen für ihr ältestes und größtes Flächendenkmal in Auftrag, um aufbauend auf den Ergebnissen des 2008 von der Bundesstiftung Umwelt (DBU) mitfinanzierten Pilotprojekts „Ökologische Mauersanierung“ zu tragfähigen, das heißt umsetzungsfähigen Kompromissen zwischen Denkmal- und Naturschutz bei der Mauererneuerung zu kommen.

Dabei ist dem Team um Prof. Rainer Drewello von der Universität Bamberg in Verbindung mit den Ingenieuren des Büros Barthel & Maus und dem Biologen Thomas Merz eine zentrale Rolle zugefallen. Neben den fachlichen Aspekten, die aufgrund der interdisziplinären Zusammensetzung umfassend bearbeitet wurden, spielen auch die politischen Vorgaben eine wichtige Rolle. Den beiden Beigeordneten der Stadt Mainz, Katrin Eder (Dezernentin für Umwelt, Grün, Energie und Verkehr) und Marianne Grosse (Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur), ist es danach gelungen, die kommunalen Vertreter*Innen von Denkmal- und Naturschutz an einen Tisch zu bringen. Als erste Maßnahme wurde entschieden, die Traverse von 1670 an der Bastionsspitze Germanicus denkmal- und naturschutzfachlich zu erneuern. Nach den Vorbereitungen in 2017 wurden die aufwändigen Arbeiten in 2018 ausgeführt. Im Herbst konnte das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Von geschützten Vegetationsinseln aus sollen sich Moose und Flechten zukünftig wieder ausbreiten.

Durch Freistellen der Bastionsspitze wurde eine Besonderheit wiederentdeckt: das ehemals alle Bastionsspitzen und -schultern der Zitadelle schmückende Bossenquader, ein architektonisches Gliederungselement, das nur dort erhalten geblieben ist, weil es Jahrhunderte durch die grabenabschließende Mauer geschützt wurde.

Im Januar 2019 wurden Farce und Flanke der Bastion Germanicus und ein Teilstück der Zitadellenmauer an der Windmühlenstraße eingerüstet. Im genannten Abschnitt am Windmühlenweg hat vor allem ein auf der Wallspitze stehender Ahorn dafür gesorgt, dass dieser Bereich zuerst angegangen wurde. Nach vorsichtigem Abnehmen der Deckschale hat sich das ganze Ausmaß des Schadens gezeigt. Mehr als eine Tonne Wurzelwerk, das sich zwischen Kern- und Verblendmauerwerk ausgebreitet hatte, musste ausgebaut werden. Danach wurde die Deckschale wieder fachgerecht aufgemauert.
Am Teilabschnitt Windmühlenstraße war durch die statischen Untersuchungen im Dezember 2015 ebenfalls deutlich geworden, dass nach Anbringen des Drahtgeflechts als Sofortmaßnahme größere Schäden zu erwarten sind. Und leider kam es noch schlimmer. Wie sich in der Analyse gezeigt hat, geht die Ursache viele Jahrzehnte zurück, als die Gebäude, die an diesem Bereich an die Zitadellenmauer angebaut waren, abgebrannt sind. Die dadurch entstandene Hitze hat sowohl das Fugenmaterial als auch die Steine selbst geschädigt.

Neben diesen beiden Baustellen wird auch im südöstlichen Teil des Zitadellengrabens gearbeitet. Dort sind Mitarbeiter der Zitadellen-Bauhütte aktiv. Damit ist unserer zentralen Forderung nach fortlaufender Instandsetzung der Zitadellenmauern entsprochen worden. Mittlerweile konnten drei Steinmetz- und Maurermeister bei der Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) angestellt werden, die sowohl die Bastionsspitze Drusus als auch die gegenüberliegende Contregarde mit weiteren Fachkräften kundig erneuern.

Die Arbeiten werden durch Koordinierungssitzungen begleitet, in der kommunale wie übergeordnete Fachämter als auch Vertreter des Naturschutzbunds (NABU) und der Initiative Zitadelle Mainz (IZM) vertreten sind. Eine wichtige Festlegung verspricht sowohl für Denkmal- als auch Naturschutz von Bedeutung zu sein: Der mittlere Weg im südöstlichen Teil des Grabens soll aufgegeben und auf die beiden Seiten verlegt werden. Damit wäre sichergestellt, dass Wartungswege entlang von Escarpen- und Contreescarpenmauern entstehen können, die von jeglichem mauersprengenden Bewuchs freigehalten werden. Für den Umweltschutz wäre es auch von Vorteil, wenn die Innenzone nicht zerstückelt wird, sondern für Flora und Fauna eine Schutzzone ausgebildet werden kann. Zudem wird die Besonnung von größeren Teilen der Zitadellenmauern zu größerer Artenvielfalt führen.